Viele von uns haben schon eine der folgenden Erfahrungen gemacht: Der reine Anblick eines Desserts lässt die eigene Hose plötzlich enger werden, während Andere das scheinbar ungerechte Privileg genießen, alle möglichen Leckereien in rauen Mengen ohne jegliche Konsequenz vertilgen zu können. Die Mehrheit kommt dann zu folgendem Schluss: Es muss an meinem langsamen Stoffwechsel liegen, während der Metabolismus anderer ein infernaler Ofen ist! Doch wie groß ist der Einfluss dieses mysteriösen Prozesses tatsächlich und wie stark sind die individuellen Unterschiede wirklich?

Zunächst sollte man erkennen woraus sich der Stoffwechsel des Menschen zusammensetzt. Der größte Anteil der Energie, welche von unserem Körper gebraucht wird, betreibt lebenserhaltende Prozesse: Atmung, Herzschlag, Verdauung, Zellregenration und viele mehr. Wir haben keine willkürliche Kontrolle über diese Mechanismen, welche immerhin etwa 70% unseres Energieverbrauches ausmachen. Man spricht daher vom Grundumsatz. Große Personen mit viel Muskelmasse haben hierbei einen höheren Grundumsatz als kleinere Leute mit weniger Muskulatur. Da es sich bei der Muskulatur um stoffwechselaktives Gewebe handelt, können wir langfristig durch den Aufbau von Muskeln unseren Stoffwechsel ankurbeln.

Es sind die restlichen 30% über die wir uns vorerst Gedanken machen sollten. Denn schließlich sind (zumindest kurz- bis mittelfristig) nur diese unserem Handeln unterworfen. Der thermogenetische Effekt unserer Nahrung ist für ca. 10% verantwortlich. Sportliche Aktivitäten machen lediglich etwa 5% aus, während nicht sportliche, alltägliche Aktivitäten sich zu ganzen 15% summieren! Diese sogenannte NEAT (non-exercise activity thermogenesis) wird heiß diskutiert. Der Weg zur Arbeit, das Wippen mit den Füßen beim Sitzen, das Kochen oder Putzen in den eigenen vier Wänden. Diese alltäglichen, unscheinbaren Aktivitäten machen am Ende des Tages sehr viel aus. Nämlich 100 bis 800 kcal pro Tag! Oder habt ihr schon mal einen dicken „Zappelphilipp“ gesehen?

Plateaus beim Gewichtsverlust werden gerne mit metabolischen Adaptationen begründet. Diese finden zwar durchaus auf hormonellem Niveau statt, haben aber nicht ansatzweise den selben Einfluss wie die NEAT. Das Wissen um die NEAT kann uns bei Diäten daher eine große Hilfe sein. Wer deutlich weniger isst, wird sich unbewusst weniger und energieeffizienter bewegen. Man liegt dann öfter als man sitzt, man sitzt öfter als man steht und meidet zunehmend Bewegungen. Nach einigen Wochen stellt man dann fest, dass der Gewichtsverlust schleichend zu einem Halt gekommen ist und zeigt mit dem Finger erst auf seinen eigenen Stoffwechsel und dann neidisch auf den Anderen.

Jetzt wo ihr allerdings informiert seid, könnt ihr aktiv dagegen arbeiten. Nutzt zum Beispiel eine App, die eure Schritte zählt und versucht diese Strecken beizubehalten. Ihr verbrennt im Stehen mehr Energie als im Sitzen oder Liegen und kleinere Bewegungen können im Verlauf des Tages mehrere hundert Kalorien verbrennen. Werdet zum Putzteufel oder „Zappelphilipp“!

Wie denkt Ihr über dieses Thema? Lasst uns einen Kommentar da.

Quellen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3943438/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8878356
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3782471