01-04-17

Legende Pumping Ercan über Wettkämpfe, Ziele und Hürden im Bodybuilding

ATHLETES
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Achtfacher türkischer Meister. Junioren Weltmeister. Europameister und Vize-Weltmeister. Ercan Demir macht mit seinen bisherigen Errungenschaften im Eisensport seinem Namen alle Ehre (Demir = Eisen auf Türkisch). Und dabei ist er noch immer nicht an dem Ziel seiner Reise angelangt. Wir ergriffen die Gelegenheit für ein Interview mit der guten Seele des Bodybuildings aus Süddeutschland.
 

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Zunächst einmal Glückwunsch zu 100k Abonnenten auf Youtube! Damit gehörst nun zu einer Handvoll Athleten, die sich mit dieser Zahl schmücken kann.
Vielen Dank!

Wie wichtig findest du deine Social Media Kanäle und dort präsent zu sein? Was ist dein Erfolgsrezept?
Social Media ist mir eigentlich gar nicht so wichtig. Bitte nicht falsch verstehen. Aber was ich persönlich wichtig finde ist einfach die Möglichkeit, so viele Menschen damit erreichen zu können. Dafür sind SM einfach ein Muss. Bevor ich die SM Kanäle hatte, hatte ich 10, 20 oder 100 Befürworter meiner Ideen gehabt. Durch meine SM Kanäle sind es nun deutlich mehr.

Und man kann damit Geld verdienen?
Die Monetarisierung meiner Kanäle ist nicht mein Ziel. Mir geht es viel mehr um das Geben und Nehmen. Nehmen funktioniert nur, wenn man vorher etwas gegeben hat, daher gebe ich etwas. Ich mache mir gar nicht so viele Gedanken um meine SM Kanäle. Ich lasse mich weder negativ oder positiv von der Entwicklung meiner Channels beeinflussen. Ich mache keine Jagd auf Abonenntenzahlen, das interessiert mich gar nicht. Ich baue keine Menschen in meine Videos ein, die ich nicht kenne, aber eine vermeintlich große Reichweite haben. Ich kenne Sie alle persönlich und schätze Sie.

Als Mentor von Sophia Thiel sieht man dich nun immer seltener mit Ihr?
Sophia ist nach wie vor meine beste Freundin. Wir haben Sie durchgebracht und Sie spielt jetzt in höheren Ligen mit. Sie ist nicht nur in deutschen TV Sendungen vertreten, sie ist auch über den Fitness Bereich hinaus relevant und in der breiten Masse bekannt.

Seit neuestem hast du eine neue Trainingspartnerin - Antonia. Ist Sie die neue Sophia Thiel?
Wir kopieren Niemanden. Es hat sich ergeben, dass Antonia ähnliche Charaktereigenschaften hat: Ehrgeiz, Fleiß und einen unbezwingbaren Willen. Ich als Trainer trainiere natürlich nicht nur eine Person, sondern mehrere. Ein guter Trainer erkennt, wer trainiert werden kann und wer offen für diese Hilfestellung ist. Um ehrlich zu sein: Ich hätte gedacht, ich wäre nicht bereit dieses Projekt erneut anzugehen. Aber im Gegenteil: Menschen wie Antonia sind meine Motivation. Sie tragen dazu bei, dass ich auch jung bleibe. Sophia ist ein Unikat und ich möchte keine zweite Sophia. Genauso ist Antonia ein Unikat. Wir werden sehen was die Zukunft bringt und wie weit wir kommen. Ich diene als Trainer, und vielleicht habe ich in zwei Jahren ein anderes Mädchen an meiner Seite, die meine Unterstützung gebrauchen kann.

Heute erlebt der Kraftsport einen regelrechten „Boom“. Wie bist du damals dazu gekommen und wer hat dich motiviert?.
Zu Beginn hat mich ein Freund dem Kraftsport nähergebracht. Aber die Motivation war in mir drin. Ich habe mich meistens selber motiviert, weil es ein Einzelsport ist. Um seine Ziele zu erreichen reichen andere Motivatoren nicht aus. Deshalb muss man sich selbst, Tag für Tag motivieren. Trotzdem können andere Kraftsportler, die bereits Hürden genommen und Grenzen überschritten haben, vor denen man selber erst steht, durchaus hilfreich dabei sein, diese zu durchbrechen.

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Was hielten deine Eltern damals von deiner Passion?
Die waren absolut dagegen! Die haben sich gewünscht, dass ich einen konventionellen und sicheren Beruf ausübe. Wenn ich diesem Wunsch gefolgt wäre, dann hätte ich niemals meine eigenen Ziele erreicht. Dabei ist für mich das Äußere tatsächlich zweitrangig. Ich konnte viel über mich selber herausfinden!

Hat sich die Einstellung deiner Eltern mit deinen ersten Wettkampferfolgen geändert?
Genau das ist passiert. Nicht nur die Einstellung gegenüber diesem Sport hat sich geändert, sondern auch gegenüber mir. Ihrem Sohn, Ercan. Ein zuverlässiger und disziplinierter junger Mann, der anders ist als seine Geschwister. Und das freute mich natürlich. Die wussten von diesem Augenblick an genau, dass ich eine kontrollierte und disziplinierte Lebensweise habe. Und das ist mehr als sie sich gewünscht oder vorgestellt haben.

Im Gegensatz zu anderen deutschen Bodybuildern hast du zusätzlich die Erfahrung gemacht auch in der Türkei auf die Bühne zu gehen. Was sind dabei die größten Unterschiede zu der deutschen Bühne gewesen?
Es ist so, dass man in Deutschland trainings- und ernährungstechnisch alle Möglichkeiten zur Verfügung hat. Diese Dinge hat man der Türkei voraus. Meinen Beobachtungen nach war die türkische Szene vergleichsweise unwissend, aber zugleich sehr ehrgeizig. Meine Hauptidee beim Start für die Türkei war es, die dortigen Jugendlichen zu motivieren. Ein Weltmeister muss nicht immer aus Amerika oder Europa stammen.

Du betreibst eines der ältesten Münchener Gyms. Wie hat sich die Zusammensetzung der Mitglieder über die Jahre verändert?
Ich habe in diesem Studio im Alter von 15 Jahren angefangen zu trainieren und es schließlich übernommen. Zu dem Zeitpunkt stand es vor dem Konkurs und inzwischen ist es durch viel harte Arbeit ein echtes Unikat nicht nur in München, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum geworden. Und die Trainierenden haben sich entsprechend geändert. Zu Beginn konnte man so gut wie keine Frauen oder Leute von „gehobenem sozialen Status“ hier antreffen. Inzwischen sind es genau diese Leute, die nach Studios mit einer Seele suchen.

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Man kann dich als Kraftsport-Veteran bezeichnen. Welche Entwicklungen (ob positiv oder negativ) konntest du bislang beobachten?
Das Größte was wir erreicht haben ist, dass diese Sportart kein exotischer Luxus mehr ist. Inzwischen ist es eine anerkannte und auch erwünschte Sportart. Viele haben dadurch begreifen können, dass das Bodybuilding als eine Basis für alle anderen Sportarten sein kann. Wer Muskeln aufbauen will, kommt am Widerstandstraining mit Gewichten nicht vorbei. Viele schimpfen zwar über die Fitness-Discounter, aber im Grunde konnte durch deren brutale Preispolitik überhaupt erst die große Masse an Sportlern angesprochen werden. Jetzt liegt es an den alt eingesessenen wie uns, diese Leute mit qualitativ hochwertigen Informationen zu versorgen.

Was würdest du im Rückblick auf deine bisherige Bodybuilder-Karriere anders machen?
Ich hätte die Zeit in der ich so erfolgreich war, viel intensiver genießen können. Wir sind im Leben oft einfach unzufrieden, selbst wenn man diese Unzufriedenheit nicht ausstrahlt. Dabei könnte man öfter zufrieden mit sich selbst sein und mit einem besseren Gefühl durchs Leben gehen. Statt sich an den zahlreichen schlechten Nachrichten aufzuhängen, sollte man bedenken, dass zugleich auch sehr viele erfreuliche Dinge auf der Welt passieren. Oftmals wird aber kaum darüber gesprochen.

Seit geraumer Zeit bist du Bodybuilding-Coach. Konntest du beim Coachen anderer auch etwas für dich dazu lernen?
Auf jeden Fall. Man lernt meistens auch wie die Menschen ticken. Die größte Lektion, die ich gelernt habe, ist folgende: Ich habe stets Personen bewundert, die ihr Übergewicht durch Fleiß und Disziplin losgeworden sind und eine gute Figur erlangt haben. Aber noch viel mehr beeindrucken mich inzwischen Menschen, die ihr Untergewicht bezwingen und durch das Bodybuilding ihren Körper und ihre Essgewohnheiten akzeptieren können.

Wie sieht deine aktuelle Zielsetzung aus?
Ich möchte als Trainer Talente erkennen und diesen Leuten mit meinem Know-How weiterhelfen und zusätzlich erreichen, dass sie mit ihrem neuen Wissen wiederum anderen weiterhelfen. So kann man über eine Zeit hinweg mehrere Botschafter für diesen Sport ausbilden. Wissen, welches man nicht weitergibt ist Unnütz. Und ich möchte kein unnützes Wissen haben.

Gibt es mit zunehmendem Alter Hürden mit denen du zuvor nicht konfrontiert wurdest?
Es gibt viele, aber diese Hürden kann man sehr gut kontrollieren und überwältigen. Man sollte sich mit seinem eigenen Ego allerdings nicht im Weg stehen. Wenn man seine eigenen Grenzen kennt und sich realistische Ziele setzt, bekommt man kaum Probleme. Ich kann und möchte im Alter von 50 nicht mehr aussehen wie ein 20-Jähriger. Die biologische Uhr tickt für jeden von uns. Ich habe keine Angst davor alt oder schwach zu werden, aber ich werde dagegen ankämpfen, egal wie alt oder schwach ich sein sollte.

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Trefft Ercan auf der FIBO2017 an unserem Stand P45 in Halle 10.1. Die genauen Uhrzeiten geben wir noch zeitnah bekannt.

Findet Ercan auf Instagram und holt euch eine große Portion Motivation und nützliche Trainingstipps auf seinem YouTube Channel.

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