05-09-17

Dachdeckerin Sonja über Ihren Beruf und Kraftsport

ATHLETES
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Sport und Beruf zu vereinbaren ist für viele eine große Herausforderung. Doch wer diesen Artikel liest, wird sich 2-mal fragen ob er die Trainings Session wieder ausfällen lässt. 6-mal die Woche Training, daneben täglich auf dem „Bau" als Dachdecker und das als Frau! Wir haben die starke Sonja Theisen befragt.
 

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Sonja, erzähl uns etwas über dich.
Mein Name ist Sonja Theisen, ich bin 26 Jahre alt und bin halb Deutsche, halb Peruanerin. Mein größtes Hobby ist mein tägliches Training im Fitnessstudio. Trotz meiner Arbeit auf dem Bau, powere ich mich gerne im Kraftsportbereich aus.

Bist du Deutschlands schönste oder stärkste Dachdeckerin?
Sagen wir es mal so: Es gibt wenig Frauen im Dachdeckerhandwerk und jede Dachdeckerin, die ich kenne, ist die Stärkste und Schönste in meinen Augen! Der Beruf ist nicht immer leicht, umso mehr muss "Frau" sich sicher sein, ob sie diesen Beruf erlernen möchte. Im Jahr 2013 wurde ich Miss Handwerk und habe den Titel mit stolz getragen.

Wie du sagst sind Frauen in Handwerksberufen sehr rar. Als Dachdeckerin arbeitest du in einem von Männern dominierten Beruf. Wie kam es dazu?
Diese Frage kriege ich sehr oft zu hören. Als Kind hatte ich schon früh einen Einblick in das Dachdeckerhandwerk. Mein Vater und mein Opa haben mir immer viel gezeigt und ich durfte schon früh mithämmern. In meiner Familie bin ich nun die sechste Generation, die diesen Beruf erlernt hat und das ohne eigenen Betrieb. Ich wusste früh, dass ich diesen Job ausüben möchte.

Ein signifikanter Teil der Männer findet, dass Frauen weiterhin in männerdominierten Berufen nichts zu suchen haben. Frauen finden allerdings, die Frauenquote sollte erhöht werden. Was hältst du davon?
Heutzutage braucht man auch in solchen Beruf nicht nur „Mukkis“, sondern auch Köpfchen. Bei uns sind wir ein Team und kennen die Leistungen und Stärken untereinander. Natürlich muss man sich grad als Frau ständig aufs neue Beweisen. Man muss aber auch lernen, das berufliche vom privaten zu unterscheiden. Auf dem Bau geht es halt einfach etwas „ruppiger" zu und damit muss man umgehen. Trotz allem sag ich zu denen, die von Frauen in Männerberufen nichts halten "Leben und leben lassen! Ich weiß was ich will und nur darauf baue ich auf.

Wie reagieren die männlichen Kollegen und Kunden auf dich?
Grundsätzlich immer positiv, denn die meisten wissen: Eine Frau erlernt diesen Beruf nicht, weil sie denkt, sie hat nichts im Kopf, nur was in den Armen, sondern weil sie genauso etwas Bauen und erstellen kann, wie ihre männlichen Kollegen.

Was halten deine Bekannten/Verwandten von deiner Berufsentscheidung?.
Zuerst waren sie skeptisch. "Du als Frau? du machst dich doch nur kaputt", oder es hieß oft "lern doch etwas Anständiges". Ich fragte mich immer: "Lern was Anständiges?" Wir können doch froh über jeden Handwerker sein, der diese Arbeit verrichtet, die Andere nicht können oder wollen. Diese Leidenschaft, die Krone des Hauses zu Bauen und dafür zu sorgen, dass wieder ein paar Menschen mehr ein trockenes und sicheres Dach über dem Kopf haben! Ich liebe es am Abend zu sehen, was ich am Tag erschafft habe und bin stolz über jedes Dach, das die Firma und ich gebaut haben.

Gab es auch mal Tage, an denen du dir wünscht einen anderen Job gewählt zu haben?
Nein! Denn ich wusste, dass es in jedem Beruf Vor- und Nachteile geben wird! Klar jammert man mal :D aber ich sage mir immer: Kopf hoch, Krone richten und weiter den Hammer schwingen ;). Selbst wenn ich irgendwann nicht mehr aufs Dach gehen kann, weiß ich, dass ich auf meinen Beruf aufbauen kann. Sei es den Meister zu machen, in den Außendienst zu gehen oder doch Studieren zu gehen... es ist immer von Vorteil Berufserfahrung mitzubringen.

Als eine der wenigen Frauen „auf dem Bau“ hast du schon einige schwierige Situationen gehabt? Wie gehst du mit diesen Schwierigkeiten um?
Natürlich gab es Momente und Situation die für mich schwierig waren, gerade in der Anfangszeit als Lehrling. Ich musste nicht nur den Beruf erlernen, sondern auch lernen wie ich mich nicht mehr so oft verletze :D. Von Prellungen, Schnittwunden über Gehirnerschütterungen, ausgekugelten Armen und einem Bruch, war alles schon dabei. Aber nun bin ich abgehärtet und fühle mich allgemein sicherer auf dem Dach. Wie sagte mein ehemaliger Kollege so schön? "Man muss lernen, wie man richtig fällt". Auch den Umgang mit Männern aus anderen Gewerken musste ich zunächst lernen. Auf dem Bau läuft vieles doch etwas grober und direkter zu :D. Mit dem Wetter hatte ich Anfangs auch zu kämpfen... im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, ansonsten zu windig oder zu nass. Doch daran habe ich mich nach der Zeit gewöhnt.

Kommst du physisch mit deinen männlichen Kollegen mit? Oder müssen deine Kollegen die „schweren Arbeiten“ erledigen?
Nix da, ich habe den Beruf nicht gelernt, damit mir alles hinterhergetragen wird oder ich nur im weg rum stehe ;) Damit begann auch die Leidenschaft zum Sport! Ich wusste, dass ich als Frau mehr Gas geben muss und nicht so stark wie meine männlichen Kollegen bin, deshalb habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet und mit dem Kraftsport angefangen.

Der Job als Dachdecker ist physisch sehr anspruchsvoll. Bleibt überhaupt noch Kraft für anstrengende Workouts übrig?
Ich muss sagen, dass ich manchmal selbst nicht weiß woher ich die Kraft nehme. Aber ich denke "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg"! Für mich ist meine Arbeit und das tägliche Training selbstverständlich, ich liebe es sogar mich nach der Arbeit noch auszupowern, auch wenn es Tage gibt, wo ich ziemlich am A**** bin und dann doch nur entspannen will. Doch zu sehen, wie sich von Zeit zu Zeit mein Körper verändert, gibt mir die Kraft, die Lust und die Leidenschaft immer weiter zu machen.

Neben dem Beruf trittst du auch als Wettkampfathletin auf?
Ja, ich bin dieses Jahr in der Bikini Klasse aufgetreten. Es war das erste Mal und es war eine tolle Erfahrung. Damals habe ich noch nicht daran gedacht und geglaubt, dass ich es neben meinem Job schaffen würde, auch mal auf die Bühne zu gehen, doch mein Freund hat mich darin gestärkt und motiviert und wir leben diesen Sport gemeinsam :) Ohne ihn, meiner Familie, Freunde und meinem Coach Alex vom Outbackgym Mainz, wäre ich nicht so weit gekommen. Es ist wichtig die richtigen Menschen um sich zu haben und das habe ich. :)

Wie sieht dein Ernährungs- und Trainingsplan aus?
Ich trainiere zur Zeit 6 mal die Woche (außer die Arbeit hat mich zu fertig gemacht :D) Baue auf einen Splittplan auf, den mir mein Coach erstellt hat. An einem Tag Beine/Bauch, am nächsten Brust/Bizeps, am nächsten Trizeps/Bauch, am nächsten Rücken und dann noch Schultern. Mir ist es wichtig, während den Übungen die einzelnen Muskeln zu spüren... Zurzeit bin ich im Aufbau und mache schwere Sätze, weniger Wiederholungen, meine Schwachstellen quäle ich dann mit ein paar extra Wiederholungen mit weniger Gewicht. Dementsprechend ernähre ich mich auch. Mein Coach hat meine Kalorien etwas angehoben und ich esse wieder mehr Kohlenhydrate, da ich die Kraft auch bei der Arbeit brauche. Dazu gehören natürlich Haferflocken, Reiswaffeln, Reis, Kartoffeln und ein paar Nüsse an oberster Stelle, dies kombiniert mit der richtigen Menge an Eiweiß und Fetten und ich fühle mich für den Tag ausreichend versorgt und sehe meine körperliche Veränderung. :)

Hilft dir das Krafttraining bei der Ausübung deines Berufs?
Ja, Definitiv! Wir haben täglich Situationen, die den Übungen im Studio nahe kommen und umso mehr Gewicht und Ausdauer ich im Studio schaffe, desto einfacher fällt mir die Arbeit! Sei es beim Abriss, Aufbau, Gerüst bauen oder einfach nur beim "schleppen". :D

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben, die auch tagtäglich von Männern am Arbeitsplatz umgeben sind?
Habt keine Angst einen Job in der Männerdomäne zu lernen! Es heißt nicht "Frau mach mal!", sondern man arbeitet immer im Team. Selbst wenn wir mal alleine sein sollten, haben wir einen Mund zum reden, sei es wenn wir mal Hilfe brauchen oder einfach nur eine Frage haben... die Männer machen es doch nicht anders. Ich bin nicht die einzige Frau im Handwerk, es gibt viele Frauen, in verschieden Gewerken die sich getraut haben und glücklich und stolz sind, sich als Handwerkerin bezeichnen zu können!  Seid Selbstbewusst und ihr werdet merken, es geht alles viel einfacher, denn nur durch euer Handeln, könnt ihr etwas ändern. Man lebt nur einmal!

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